Ein schöner Tag – Dorothte Reimann

 

DoroEine Liebe Kollegin mit einer neuen Kurzgeschichte.

Hier packt sie ihre Leidenschaft für blutrünstige Momente in eine Geschichte.

 

 

Draußen schien die Sonne und der Himmel war klar. Eine atemberaubende Schönheit betrat den Saloon, Hüften schwingend, auf ihren hohen Schuhen. Leila war es gewohnt, dass sich alle nach ihr umdrehten und die Männer mit offenen Mündern da saßen, wenn sie erschien. Doch der Saloon war leer, bis auf einen Kunden, der an der Bar saß und trank.

Stagger Lee. Der eigentlich im Knast sitzen sollte, wegen Doppelmordes. Er hatte seinen Freund Billy getötet, und auch die Tochter von Mike, dem Besitzer des Saloons. Sie erstarrte. Mike. Wo war Mike?
Ohne Stagger Lee zu beachten, machte sie einige schnelle Schritte hinter die Bar. Dort! Mike!
„Oh mein Gott!“ keuchte sie. „Ich kann nicht glauben, dass er tot ist!“
„Nun“ ,meinte der Mann, der sich an der Bar in aller Ruhe einen Whiskey nachgoss. „Zähl doch einfach die Löcher in seinem Kopf.“
Sie fuhr herum. „Du warst es?!“
Er zuckte mit den Schultern und schien mit seinem Glas zu sprechen. „Er hat mich beleidigt!“ Der Whiskey bewegte sich leise im Glas und er fügte hinzu: „Jetzt ist es sowieso egal.“ Wie ein trotziges Kind sagte er das.

Sprachlos starrte sie ihn an, doch er zeigte keine Reaktion. Erst als Stagger Lee hörte, wie sich die Tür hinter ihr schloss, schien er zu erwachen.
Langsam um den Tresen herumgehend, nahm der Mann das ganze Ausmaß seiner Tat wahr. Der Barkeeper schien in seinem Blut zu schwimmen. Sein Gesicht war grau, doch die Augen waren geschlossen, es lag ein ernster Zug um seinen Mund. Kein Erschrecken. Sein Mörder fand ihn ein wenig- enttäuschend. Ja, so könnte man es ausdrücken. Fast als habe sein Opfer keine Angst gehabt.
Genauso hatte Mikes Tochter ausgesehen, als er sie tötete. Keine Panik, kein Erschrecken. Er war im Blutrausch gewesen, nach dem Mord an Billy, und sie kam ihm in die Quere. Mike, der seine Tochter schreien hörte, kam heran und schlug Stagger Lee zu Boden. Niemanden hätte es gewundert, wenn Mike ihn totgeprügelt hätte, doch der Barkeeper schlug ihn nur nieder und wartete, bis der Sheriff kam.

***

Stagger Lee war in die Bar hinein gekommen mit den Worten: „Ich bin wieder da.“ Und er hatte sich gesetzt. Der Mann hinter der Bar, Lee hatte seinen Namen lange vergessen, sah ihn nur an.
„Na, Alter, weißt Du noch, wer ich bin?“
„Verdammt, jeder in der Stadt weiß wer Du bist, Mörder!“ Der Barkeeper zündete sich eine Zigarette an und fragte dann: „Haben sie Dich schon rausgelassen?“

Der Mann, den er als Mörder bezeichnet hatte, schwieg. Im gleichen Moment kam ein halbwüchsiger Junge aus der Nachbarschaft hinein gestürmt.
„Hast Du schön gehört, Mike? Der Mörder ist wieder draußen! Pass bloß auf, mit Dir hat er doch auch noch eine Rechnung offen!“

Die Tür schlug mit einem lauten Knall zu. Der Junge war weg.

Mike, genau. Das war der Name des Toten gewesen. Aber jetzt hatte er keinen Namen mehr.
“Genau wie ich”,dachte der Mörder und trank seinen Whiskey.

Mike hatte ihm die Flasche hingestellt und gemeint: “Bedien Dich, Mann.“ Mehr nicht. Dann hatte sich seinen Barkeeper Tätigkeiten zugewandt.

Der Whiskey war gut. Träge bewegte sich die Flüssigkeit im Glas, wenn er eingoss. Nach einer Weile sah Stagger Lee wieder Mike zu, wie dieser Gläser spülte und abtrocknete.

Mike war ruhig. Selbst wenn jemand vor ihm saß, Whiskey trank und eine verdammt große Rechnung mit ihm offen hatte, er war ruhig.

Genauso ruhig wie der Mörder seiner kleinen Tochter, der jetzt in die Tasche fasste, einen Revolver zog und abdrückte. Fünf Mal. Sechs Mal, bis es klickte. Dann trank er weiter. Der Sheriff würde kommen.

Es hätte ein schöner Tag werden können…


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