KW 29 | Ava Innings nominiert von Medusa Mabuse

Challange

1. Hausschlüssel – 2. Stehcafé  – 3. Gitarrenhals – 4.  Petrischale
– 5. Schnuller – 6. Spaghettizange – 7. Einkaufskorb  – 8. Warteschlange  – 9. Fußmarsch – 10. Selfie – 11. Feierabend – 12. Badewanne – 13. Reisebüro – 14. Führerschein-  15. Fotografie

Nachdenklich betrachte ich das Selfie, das uns drei in dem Hotelzimmer zeigt, in dem wir unsere erste Liebesnacht verbracht haben. Rory grinst über beide Ohren und sieht so verdammt heiß aus, dass ich hart schlucken muss. Diese Fotografie erinnert mich immer daran, was wir – wenn auch nur für kurze Zeit – hatten. Hoffentlich geht es ihm ebenso. Ich schicke ihm die Aufnahme und bete, dass er bald zur Besinnung kommt, denn ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie lange ich es noch aushalte, mir anzusehen, wie die Groupies sich in die Warteschlange einreihen, um von ihm flachgelegt zu werden.
Auch Brads Geduld scheint langsam am Ende zu sein. Wobei er es aus einer anderen, sehr viel pragmatischeren Perspektive betrachtet. Wie sagte er gestern so schön? „Sonst musst du dann doch irgendwann auf dein Schnuller-Glück aus der Petrischale zurückgreifen.“ Ich weiß, dass er Angst hat, dass ich ihn verlasse, weil er mir kein Baby machen kann, doch ich bin erst zweiundzwanzig und es ist noch viel zu früh, um sich darüber Gedanken zu machen. Ich stecke das Handy weg und greife zu der Gitarre, die neben mir auf dem Sofa liegt. Meine Finger schließen sich um den Gitarrenhals und ich beginne zu spielen. Ein Geräusch lässt mich zusammenzucken und ich blicke auf. Tiger steht auf der Arbeitsplatte und reibt sich an den Kochutensilien, die an einer Leiste an der Wand hängen.

„Pfui!“, zische ich ihn an, doch Brads Kater zeigt sich unbeeindruckt. Erst als die Spaghettizange herunterfällt, flieht er erschrocken mit einem großen Sprung von der Küchenzeile. Ich beobachte, wie er sich im Einkaufskorb verkriecht und mich von dort aus vorwurfsvoll anfunkelt. Ganz so, als wäre es meine Schuld. „Tja, Freundchen, wer nicht hören will, der muss eben fühlen und irgendwann ist auch mal Feierabend“, behaupte ich. Beinahe so, als hätte dieser störrische Kater mich verstanden, dreht er mir beleidigt den Rücken zu und rollt sich im Korb zusammen.
Ich spiele noch ein wenig weiter und als ich geendet habe, sagt ein Blick auf die Uhr mir, dass ich mich langsam fertig machen sollte. Ich liege noch immer in der Badewanne, als ich den Haustürschlüssel höre.
„Joe?“, ruft Brad.
„Badewanne!“, schreie ich zurück. Ich vernehme seine eiligen Schritte auf der Treppe und bin nicht erstaunt darüber, als er Sekunden später nackt im Türrahmen erscheint.
„Wo auch sonst“, murmelt er feixend. Er weiß schließlich genau, wie sehr ich das Wasser liebe.
Ich sauge seinen Anblick in mir auf. Brad ist unfassbar sexy und obwohl er einen Hammerbody hat, empfinde ich sein Gesicht als am schönsten.
„Darf ich reinkommen?“
„Deine Badewanne, also brauchst du nicht zu fragen“, erinnere ich ihn.
„Und wenn du meine Gesellschaft nicht willst?“
„Dann gehe ich eben raus.“
„Wodurch die Badewanne für mich schlagartig ihren Reiz verlieren würde“, gesteht er und streicht sich eine blonde Strähne aus der Stirn.
„Ich glaube, ich hätte nichts gegen ein wenig Gesellschaft einzuwenden“, ermutige ich ihn und mache ihm Platz, damit er sich hinter mich setzen kann.
Er drückt seine Lippen auf meine Schulter, meinen Nacken und meinen Hals. Bradley Hoover ist der geborene Verführer.

Als ich rund eine Stunde später angezogen in die Küche komme, nimmt Brad gerade einen Kaffee zu sich.
„Hey, das ist kein Stehcafé“, rüge ich ihn, denn wie so oft lässt seine innere Anspannung es nicht zu, dass er zur Ruhe kommt. Ich nehme ihm die Tasse aus der Hand und gehe damit zum Sofa.
Brad folgt mir. Seine whiskeyfarbenen Augen haben wieder diesen unglaublich liebevollen Ausdruck angenommen. Ich weiß, dass meine Sorge um ihn, ihn rührt. Ich finde es bitter, dass er sein dunkles Geheimnis so lange allein mit sich herumgetragen hat und natürlich sorge ich mich um ihn. Ich will, dass es ihm gut geht und mein Herz droht zu zerreißen, wenn ich sehe, wie er sich Tag für Tag durchs Leben kämpft – unfähig, sich zu entspannen und zu genießen. Er ist immer in Habachtstellung und ständig auf dem Sprung. Sein Verhalten – so nachvollziehbar es auch ist – erschöpft mich beim bloßen Hinsehen. Ich weiß nicht, wie er das schafft und ich wünschte mir, ich könnte irgendetwas tun, damit es ihm dauerhaft besser geht. Aber man kann seine Vergangenheit nicht einfach so abstreifen und Brads schreckliches Erlebnis aus seiner Kindheit holt ihn in schöner Regelmäßigkeit wieder ein.
„Geht es dir gut?“, erkundige ich mich.
Er seufzt leise. „Es geht so“, gesteht er mir. „Lass uns raus an die frische Luft gehen. Ein Fußmarsch wäre …“ „… was ich gerade brauche, Joe, ist ein Gewaltmarsch, damit ich aufhöre, zu denken und mich zu erinnern.“
Ich nicke verstehend. „Ich habe schon darüber nachgedacht, noch einmal wegzufliegen, bevor die Tour anfängt, aber ich will nicht, dass du länger von deiner Familie und deinen Freunden getrennt bist, als …“
„Ich bin dabei!“, beruhige ich ihn rasch. „Lass uns ins Reisebüro fahren und …“
Er schüttelt den Kopf. „Ich will heute nicht noch mal raus. Ich buche online, okay?“
„Was auch immer du willst“, erwidere ich.
„Deinen Führerschein und den Reisepass, damit ich loslegen kann“, sagt er schmunzelnd und holt den Laptop aus der Ablage unter dem Sofatisch hervor. „Besondere Vorlieben?“
„Die dürftest du inzwischen alle kennen“, necke ich ihn.‘
„Bezüglich des Reiseziels, Josephine“, rügt er mich gespielt ernst.
„Ach so, Bradley, sag das doch gleich.“
Er lacht leise in sich hinein.
Ich weiß, er hasst seinen vollen Namen genauso sehr wie ich den meinen. „Hey, Brad!“
Er blickt auf und schaut mich an.
„Ich liebe dich und mit dir gehe ich an jeden Ort der Welt und es wird überall perfekt sein, weil du da bist.“


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