KW 48 | Medusa Mabuse nominiert von Marlies Borghold

Challange

„Beim Lesen der Worte, die Marlies Borghold, alias Agnes M. Holdborg, vorgab, hatte ich sofort ein Ende für die Geschichte im Kopf. Auch der Anfang war schnell gefunden, nur mit dem Mittelteil hatte ich Schwierigkeiten. Doch lest selbst.“ (Medusa Mabuse)

Magengrummeln ~ Bürobedarf ~ Holzkiste ~ Perlenkette ~ Schwanenhals ~ Messingbett ~ Gardinenpredigt ~ Fahrradklingel ~ Kerzenstummel ~ Wolle ~ Hinterhalt ~ Gottesdienst ~ Goldader ~ Besen ~ Seidenbluse

Gefangen
Mein Name ist Fiona, mein Aufenthaltsort: eine zwei mal zwei Meter große Holzkiste. Ich bin nicht freiwillig hier, doch es ist auch nicht das erste Mal, dass ich mich in solch einer Situation befinde.
Meine Familie ist reich. Sehr reich sogar. Mein Ur-, oder war es der Ururgroßvater, spielt ja auch keine Rolle. Na jedenfalls ist der, als er jung war, auf eine Goldader gestoßen. Er war geschickt und hat viel Geld gemacht. Außerdem war er ein Geizkragen, aber das kam letztlich seinen Nachkommen zugute.

Heute machen wir nicht mehr in Gold. Meine Eltern sind Inhaber einer Laden- und Onlinekette für Bürobedarf. Es ist kaum zu glauben, aber das Geschäft brummt. Ich sag euch, Geld ist aber nur toll, solange man keines hat. Zuviel davon macht misstrauisch. Wie oft hat mich mein Vater ins Gebet genommen und mir eingeschärft, ich solle vorsichtig sein. Er hat sogar einen Bodyguard eingestellt, der mich auf Schritt und Tritt bewachte. Damals war es Arnold. Er blieb, bis ich zur Uni ging. Während meiner Studienzeit teilten sich zwei Leibwächter den Job und seit meiner Rückkehr nach Hause ist Max bei uns beschäftigt.
Er ist nicht übel. Ich glaube sogar, er mag mich, hält jedoch stets Abstand, was ich sehr schade finde. Er wäre eine Sünde wert. Aber das ist eine andere Geschichte. Wie an jedem Sonntag, so bin ich auch heute zur Kirche gegangen. Das mache ich vor allem meiner Mutter zuliebe. Sie legt großen Wert darauf, dass uns die Leute in unserer kleinen Gemeinde sehen. Vater teilt diese Ansicht nicht. Er wäre am liebsten unsichtbar. Wie gesagt, Geld macht misstrauisch.

Nach dem Gottesdienst unterhielt sich Mama noch mit dem Pfarrer. Ich sah mich um, doch unter den Kirchgängern war keiner meiner Freunde. Also trat ich langsam den Heimweg an. Weit war ich noch nicht gekommen, als mir ein paar Jugendliche den Weg versperrten.
Es waren sechs Jungs, kaum älter als zwanzig. Einen von ihnen kannte ich sogar. Er grinste mich höhnisch an, während er mit einer Fahrradklingel herumspielte, die er anstatt einer Armbanduhr an seinem Handgelenk trug. Anfangs dachte ich mir nichts dabei. Erst als sie mich umringten und näher kamen, befiel mich ein Magengrummeln.
Suchend wandte ich mich um, doch Mama stand immer noch beim Pfarrer. Auch Max hatte sich zu ihnen gesellt. Na Prima! Einmal brauche ich den Kerl und er hat nichts besseres zu tun, als sich zu amüsieren.
Zwei der Jungs standen auf einmal dicht neben mir und begannen, mich anzutatschen. Das ging nun wirklich zu weit. Schon hatte ich den Mund geöffnet, um loszuschreien, als einer von ihnen seine schmutzige Hand drauflegte. Der andere packte mich grob an den Armen und hielt mich fest.
Im gleichen Moment hielt ein Ducato neben uns, aus dem ein Mann sprang und mich ins Fahrzeug zerrte.
Ich wehrte mich nach Kräften. Max hatte mir schließlich verschiedenes beigebracht. Mein Kidnapper musste einiges einstecken. Vielleicht hätte ich mich befreien können, doch zwei der Halbstarken halfen ihm. Sie rissen mich zu Boden. Einer von ihnen setzte sich auf meine Beine, der andere hielt meine Arme fest, wobei meine Seidenbluse zerriss.
Panik stieg in mir auf, die ich laut hinausschrie. Meine Hoffnung, Max würde mich hören, wurde jedoch im Keim erstickt. Der ältere der drei Schurken reagierte schnell und stopfte mir einen öligen Lappen in den Mund, an dem ich fast erstickte.
Als wäre das noch nicht schlimm genug, setzte er sich auf mich. Er sah mich an, als hätte er einen leckeren Braten vor sich, und legte seine schmierigen Hände an meine Wangen. Während er sie langsam nach unten wandern ließ, stieß er eine Warnung aus.
»Keinen Ton, Weib. Sonst drehe ich dir deinen Schwanenhals um«, schnarrte er heiser.
Also das war ja wohl reichlich übertrieben. So lang ist mein Hals auch nicht. Doch sein Blick war derart bedrohlich, dass ich jede Gegenwehr einstellte. Etwas anderes blieb mir schließlich gar nicht übrig. Die Männer hatten mich in einen Hinterhalt gelockt und überwältigt.
Offenbar war der Widerling dadurch besänftigt und ließ von mir ab. Er setzte sich ans Steuer, wendete den Kastenwagen und fuhr in halsbrecherischem Tempo davon.
Nach einer Weile hielt er an, kam nach hinten, um die Seitentür zu öffnen, und wies seine Kumpane an, mich in die Scheune zu bringen, vor der wir nun standen. Das wäre vielleicht die Chance zur Flucht gewesen, doch ich verhielt mich lieber passiv und folgte ich ihnen willenlos.
Die Scheune war, bis auf die eingangs erwähnte Kiste, leer. In diese stießen sie mich und seither warte ich mit Bangen, was weiter geschieht.
Es ist dunkel, kalt und ich friere erbärmlich. Daran kann auch die Holzwolle, mit der die Kiste gefüllt ist, nichts ändern. Ich habe zwar einige Kerzenstummel ertastet, doch ohne Feuerzeug nützten die mir gar nichts.
Es kann nicht mehr lange dauern, bis Max mich findet. Das wird er ganz bestimmt, denn in der Perlenkette, die mir diese Schwachköpfe gelassen haben, befindet sich ein Peilsender. Mein Held wird kommen und mich retten.
Wie ein Racheengel, mit einem brennenden Besen in der Hand, wird er über meine Peiniger herfallen und mich aus meinem Gefängnis befreien. Anschließend hält er mir zwar eine Gardinenpredigt, die sich gewaschen hat, doch ich werde sie geduldig über mich ergehen lassen. Ich freue mich sogar darauf, denn das zeigt mir, dass ihm wirklich etwas an mir liegt.
Dann endlich wird er mich in seine Arme reißen und mich stürmisch küssen.
So wird es geschehen, denn so geschieht es immer. Warum? Weil ich es mir ausdenke.

Mein Name ist Fiona, mein Aufenthaltsort: ein zwei mal zwei Meter großes Messingbett. Seit meinem Unfall vor zehn Jahren bin ich Tetraplegiker, körperlich bewegungsunfähig, nur mein Geist verleiht mir Flügel. In meiner Fantasie erlebe ich spannende Abenteuer, aus denen mich Max rettet. Max ist mein Pfleger und ich glaube, er mag mich.


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