Weihnachtshäppchen – Erste Geschichte

adventschallenge***Weihnachtshäppchen***  Leser/Autoren-Challenge

Marlies Borghold stellt sich zuerst der Herausforderung von Sonja Batzdorf

Die Geschichte ist nach den Vorgabeworten von Sonja Batzdorf: Kinderlachen , Adventskranz , Schneeflocke(n) , Weihnachten , Schokoladenweihnachtsmann‬.

Kaiser, König, Weihnachten
Toni konnte es nicht ertragen, dieses Getue um Weihnachten, und schaltete den Fernseher aus. Als wenn so ein Schokoladenweihnachtsmann, ob lila oder bunt, ein einziges Kinderlachen hervorlocken könnte! Als wenn man jetzt nur noch tonnenweise Plätzchen backen, tausende Weihnachtsmärkte besuchen und zig Hektoliter Glühwein trinken würde! Als wenn alle miteinander plötzlich fröhlich und friedvoll wären! Ein fünfzigjähriger eingefleischter Junggeselle wusste Bescheid. »Was für ein verlogener Scheiß!«, höhnte er und machte sich schwerfällig auf. Es war Zeit fürs Bett, schließlich begann der nächste Arbeitstag früh.

»Fröhöliche Weihnacht überall«, trällerte Sonja, während sie die Kerzen des Adventskranzes ausblies, sich danach ihre rote Jacke überwarf und hinausging. Sie freute sich. Nach der Arbeit wollte sie mit ein paar Kollegen über den Weihnachtsmarkt bummeln. Das volle Programm: Glühwein, Bratwurst, Karussells, Kinderlachen. Ihre Trauer hatte Sonja überwunden, zumindest einigermaßen. Natürlich musste sie sich hin und wieder dazu zwingen, an ihre alte Lebensfreude anzuknüpfen, was gerade in dieser Zeit schwerfiel. Natürlich weinte sie ab und an, auch nach vier Jahren. Aber Arno hätte nicht gewollt, dass sie sich zurückzöge. Niemals!
Das Wetter trug zu ihrer guten Laune bei. Es schneite! Der erste Schnee! Ein dicker weißer Teppich legte sich über die Stadt, verschluckte den Lärm. Grinsend trat sie auf den Gehweg, hob das Gesicht und ließ die Schneeflocken auf ihrer ausgestreckten Zunge schmelzen. In diesem Moment fühlte sie sich wie fünf und nicht wie fünfzig.

»Schnee!«, grummelte Toni und stieg missmutig aufs Rad. Hätte er doch vorher bloß aus dem Fenster geschaut. Jetzt war es zu spät für den Bus. Er bliebe besser auf dem Bürgersteig. Gott, er hasste diese Zeit, das Wetter und alles, was dazugehörte. Er sollte … Rums! – Ein Schrei! Etwas Rotes flog ihm direkt vors Rad und jaulte mitleiderregend auf. Was für ein Hornochse war das denn?

»Sie Hornochse«, brüllte Sonja. Irgend so ein Idiot hatte sie unsanft aus ihren Träumen geholt. Nun lag sie im Schnee, und ihr Fußknöchel schmerzte höllisch.
»Passen Sie doch auf!«, raunzte eine männliche Stimme.
»Ich? Sie haben mich über den Haufen gefahren! Au verflixt!«, jammerte sie, als sie aufzustehen versuchte.
Das Fahrrad wurde zur Seite gestoßen. Der Mann beugte sich über sie. Blaue Augen musterten sie besorgt. »Warten Sie! Nicht aufstehen! Ich rufe die Ambulanz!«
»Quatsch, ich kann den Fuß noch bewegen. Außerdem wird mir kalt. Würden Sie mir wohl bitte aufhelfen?«
»Natürlich. Tut mir leid.«
»Das sollte es auch!«, blaffte Sonja den Mann an, während er sie auf die Füße zog. Dabei kamen ihr die Tränen, vor Schmerz und weil der Tag nun keinen Weihnachtsbummel beinhalten würde. Offenbar hatte sie sich den Fuß verstaucht. Mist! »Ich muss zurück ins Haus.«

»Und ich muss zur Arbeit, bin eh spät dran«, schoss Toni ungehalten zurück. Er hatte eine Frau umgefahren, sah ihre Tränen und dachte über seine ungeliebte Arbeit nach. So ein Schwachsinn! Ihn packte das schlechte Gewissen.
»Tztz, falls Sie wenigstens die Freundlichkeit besäßen, mich hineinzubegleiten, Herr, ähm, …«
»Kaiser. Toni Kaiser. Ja, sicher.« Er stützte sie, damit sie ins Haus gehen und sich setzen konnte. Die Küche wirkte gemütlich, trotz des ganzen Weihnachtsschnickschnacks.
»Danke. – Ihre Arbeit ruft.« Sie ließ ihre braunen tränennassen Augen blitzen. »Ich komme schon zurecht.«
»Ganz bestimmt nicht«, erwiderte er. »Ihr Knöchel muss gekühlt werden. Sie brauchen einen Verband.« Toni nahm ein Handtuch vom Haken, hielt es unter den Wasserkran und machte sich damit am lädierten Knöchel der Frau zu schaffen.
»Nein!«, schluchzte sie nun. »Hauen Sie einfach ab!«
»Bitte nicht weinen. Haben Sie Schmerzmittel hier? Wie heißen Sie überhaupt?«
»Ach, lassen Sie mich in Ruhe! Ich wollte heute nach der Arbeit auf den Weihnachtsmarkt und hatte mich so darauf gefreut.« Sie betrachtete Tonis laienhaften Verband und schmunzelte trotz der Tränen. »Ich heiße Sonja König.«
»Nun denn, Sonja. Jetzt rufen wir beide erst einmal unsere Arbeitgeber an. König meldet sich krank, und Kaiser nimmt Urlaub.« Damit brachte er sie zum Lachen, einem hellen Lachen, das seltsamerweise sein Herz bewegte.

Am Nachmittag roch es in Sonjas Wohnung nach Glühwein, Bratwurst und Keksen. Kinderlachen und Weihnachtsmusik drang aus dem Handy, das Toni ihr ans Ohr hielt. Wenn der König nicht zum Weihnachtsmarkt gehen könnte, müsste der Kaiser ihm diesen halt bringen, hatte Toni schlicht gesagt.

*** Und der Kaiser blieb beim König. ***

 

 


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