KW 34 | Kerstin Steiner nominiert von Isabella Muhr

Challange

kw34
Heute hat sich Kerstin Steiner Autorin der Challenge gestellt. Hier könnt ihr lesen, was sie aus den Wörtern von Isabella Muhr erschaffen hat.

Erdbeere – Milchshake – Teddybär – Plattenspieler – Torschütze – Kochschürze – Gefühlsecht – Gummistiefel  – Regentropfen – Planschbecken – Yogamatte – Fotoapparat – Appetithäppchen – Grossraumtaxi – Jazzmusik

Spuren im Sand

 

Klara ließ eine dicke, rote Erdbeere in den Milchshake fallen, nahm die Kochschürze ab und warf diese achtlos über den von Holzwürmern durchbohren Küchenstuhl. Ihr Blick glitt durch das Wohnzimmer des windschiefen Strandhauses hinaus auf die Terrasse, wo dicke Regentropfen wie im Zeitlupentempo in das pinke Planschbecken fielen, gemächlich über den Rand schwappten und Topfen für Tropfen die kleinen, vergessenen Gummistiefel füllten, um dann eine schmale, schneckenartige Spur bis zur leuchtenden Yogamatte zu ziehen, um schließlich in einem Rinnsal über die drei Stufen dem Strand entgegenzulaufen.

Leise drang Jazzmusik durch das Rauschen des Regens. Sie liebte die altmodischen Klänge des Plattenspielers, die der Musik etwas ganz Besonders verliehen, eine Wärme wiedergaben, wie es den kühlen, klaren Klängen der elektronischen Anlage niemals gelingen würde.
Doch selbst die Musik konnte ihr heute kein Gefühl der Wärme und Behaglichkeit vermitteln. Sie hasste Regentage – jedes Mal verfiel sie in eine melancholische Stimmung, aus der sie nur schwer wieder herausfinden konnte. Glücklicherweise regnete es hier im Süden Kaliforniens äußerst selten und wenn, nur sehr kurz. Doch heute war einer dieser Tage, an denen die verschiedensten Grautöne des Himmels mit dem von Schaumkronen gesäumten Grau des Meeres zu einer undefinierbaren Farblosigkeit verschwammen.
Sie griff nach dem Fotoapparat und blickte durch den Sucher. Nichts – wieder nur ein düsteres Gemisch ohne jede Kontur, ebenso wie ihre immer dunkler werdende Stimmung.
Sie war allein. Julchen und Timmy verbrachten die letzten Sommertage bei Bob, ihrem Ex-Mann, in Oregon. Vor einigen Tagen waren sie winkend in einem Großraumtaxi mit Bob am Steuer davongefahren und seitdem hatte sich Klaras Stimmung von Tag zu Tag verschlechtert, ebenso wie das Wetter.
Es war, als hätte die fortwährend strahlende, kalifonische Sonne ebenfalls eine Reise angetreten und ließe sich mit der Rückkehr nun mehr Zeit als gewöhnlich.
Seit die Kinder das Haus verlassen hatten, schien das Leben ohnehin sehr langsam zu verlaufen, die Minuten verrannen noch langsamer als die Regentropfen auf der Veranda. Aus den Augenwinkeln nahm Klara am Rande des Sichtfeldes eine Bewegung wahr. Sie blickte erneut durch den Sucher der Kamera und zoomte heran. Auf den Stufen des benachbarten Strandhauses hatte sich ein großer, weißer Hund niedergelassen. Er kaute genüsslich auf einem überdimensionalen braunen Kauknochen und schlackerte dabei begeistert mit dem Kopf.
Klara blinzelte. Moment mal, das war kein Kauknochen, sondern Wilbur, Julchens Teddybär, der eigentlich zum Trocknen (welche Ironie) an der Leine vor dem Haus gehangen hatte und nun ganz offensichtlich diesem Riesenköter als Appetithäppchen diente.
Die Melancholie schwand und es kam Leben in Klara. Mit Schwung riss sie die Terrassentür auf, nahm sich nicht einmal mehr die Zeit in die porösen Flip-Flops zu schlüpfen, rannte in Windeseile durch den schweren, nassen Sand und stoppte dann vor dem Hund ab.
Sie baute sich bedrohlich vor dem Tier, das aus der Nähe noch riesiger wirkte, auf und wollte ihm den Teddy gerade aus dem Maul reißen, als er ihn den etwas zerfledderten Bären mit einem freundlichen Brummen vor die Füße warf und sie neugierig beschnüffelte.
Klaras Ärger verfolg augenblicklich, als die braunen Augen des Hundes sie treuherzig anblickten und er seine dicke, feuchte Nase gegen ihr nacktes Bein drückte. Dieses Tier war sicher nicht gefährlich, seine Gefühle spiegelten sich in den Augen wider. „Gefühlsecht“, schoss es Klara durch den Kopf. Tier konnten sich nicht verstellen, nicht so wie ihr Ex, der sie über viele Monate betrogen hatte, ohne dass sie auch nur eine Veränderung an ihm hatte feststellen können. Schnell schob sie den Gedanken beiseite. Bob war nur noch als Vater der Kinder in ihrem Leben, mehr Platz gab es für ihn nicht mehr.
Sie tätschelte dem Hund zärtlich den großen Kopf. „Wo kommst Du denn her?“, fragte sie leise.
„Maine…er ist aus Maine“, eine tiefe Stimme aus dem Inneren des Hauses war zu hören. „Sein Name ist Carl.“
Überrascht blickte Karla auf. Inzwischen war auch der Besitzer der wohlklingenden Stimme auf der Veranda aufgetaucht. Karla dachte kurz nach und musterte ihn, denn er kam ihr irgendwie vertraut vor. Seine dunklen Locken umrahmten ein leicht gebräuntes Gesicht, aus dem sie klare, blaue Augen offen ansahen. Seine Figur deute auf einen Sportler hin, doch sein rechtes Bein steckte in einem dicken Gips und er humpelte.
„Hi“, er lächelte freundlich. „Tut mir sehr leid, dass Carl bei Ihnen das Spielzeug geklaut hat, er hat schreckliche Langeweile.“ Sein Blick glitt zu seinem Bein. „Mit langen Strandspaziergängen ist es ja für einige Zeit vorbei“, seufzte er bedauernd.
„Sie sind…“, setzte Klara an. „….
Chris Mc Murray….the Cat“, vollendete er grinsend. „Mich erkennt seit jenem Spiel sowieso jeder.“
Klara dachte sofort an das Länderspiel, bei dem Chris als einziger Torschütze, seine Mannschaft zur Weltmeisterschaft geschossen hatte, sich aber dann im selben Spiel schwer verletzt und seitdem seine Karriere beendet hatte. Er war nach dem Gewinn der Meisterschaft urplötzlich und unauffindbar von der Bildfläche verschwunden und die Presse mutmaßte schon, er hätte sich ins Ausland abgesetzt.
Klara schluckte sprachlos und starrte Chris stumm an. „Ehm“, mehr brachte sie nicht heraus.
„Tief durchatmen“, murmelte Chris. „Carl und ich beißen nicht“, er machte eine einladende Handbewegung, der Klara immer noch schweigend folgte. Sie betrat zum ersten Mal das Haus ihres Nachbarn…….

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