KW 26 | Kerstin Steiner nominiert von Kathrin Lichters

Es ist Samstag und es gibt eine neue Geschichte auf der Indie-Autor-Challenge Seite. Diesmal forderte Kathrin Lichters die wunderbare Autorin Kerstin Steiner heraus und inspirierte sie zu einer Geschichte über die wahre Liebe.
Challange
1. Strohalm – 2. Glückspilz – 3. Luxuskarre – 4.Liebesgeflüster – 5.Halleluja – 6.Partydroge – 7.Dogge – 8.Sextape – 9.Nasenhaartrimmer – 10.Helm – 11.Wolldecke – 12.Portfolio – 13.Wohnhaus – 14.Laus – 15.Straßenkarte

Kerstin Steiner: Liebe und andere Verbrechen

Bellas Augen weiteten sich merklich, als sie die Fotos auf dem Laptop vom Standbild in fließende Bewegungen wechseln sah. „Halleluja“, entfuhr es ihr lautstark. „Was zur Hölle ist denn das?“ Gespannt ließ sie das Video weiterlaufen und sog aufgeregt den inzwischen erkalteten Kaffee durch einen Strohhalm. Ihre aufgeplatzte Lippe schmerzte bei jedem Zug und sie wünschte, sie wäre dem Hieb des brutalen Schlägers geschickter ausgewichen, als sie sich unter abenteuerlichen Umständen das Video besorgt hatte, das jetzt in Dauerschleife auf ihrem Laptop lief.
   Ihr Auftraggeber hatte eine hohe fünfstellige Summe für die Beschaffung geboten und so hatte sie ihre Bedenken über Bord geworfen und sich überreden lassen, sich noch einmal in die Kreise der Unterwelt zu begeben und unter Einsatz ihres Lebens und – wie sie zugeben musste – auch ihres Elektroschockers, das vermeintliche Sextape zu besorgen, hinter dem offenbar ganz Rom her war. Doch was sie zu sehen bekam, war weit verwirrender, als sie erwartet hatte. Sie drückte erneut auf „Wiedergabe“ und starrte kopfschüttelnd auf den Monitor.

   Zwei unglaublich dürre Gestalten in langen, braunen Kutten kletterten behende aus einer Luxuskarre, die den Namen wirklich mehr als verdient hatte, denn sie blitzte und glitzerte mit der Sonne um die Wette, war über und über mit Swarowski-Steinen besetzt und auch sonst ein Ausbund an Geschmacklosigkeit.
   Die beiden verhüllten Typen trugen eine schwere, in eine Wolldecke gewickelte Gestalt in ein Wohnhaus. Hier flackerte das Video kurz und die Kameraeinstellung wechselte. Bella beobachtete, wie die Gestalt auf einem Tisch gelagert wurde – die klapprigen Gestalten zogen langsam die Decke weg und eine dicke Dogge kam zum Vorschein. Sie rührte sich nicht, war offenbar mit einer Partydroge betäubt worden. Bella mutmaßte, dass man das massige Tier vermutlich mit einer Flasche K.O-Tropfen in einen Tiefschlaf versetzt hatte. Jetzt nahmen die Männer eine surrende Maschine in die Hand und … Bella traute ihren Augen nicht… sie begannen, dem schlafenden Hund mit einem Nasenhaartrimmer feine Linien ins Fell zu schneiden.

   Bella blinzelte und hielt das Video an. Sie zoomte das Bild heran. Eine Straßenkarte! Die Kerle rasierten der Dogge einen Plan auf den Bauch, dann schlugen sie die Decke erneut um ihn…Hier brach das Video plötzlich ab.

   Bella zog die Brauen hoch und überlegte kurz, dann druckte sie schnell einen Screenshot der Fellkarte aus, setzte sich ihren Helm auf, stieg auf die glänzende Vespa und knatterte los. Wenig später hielt sie mit quietschenden Reifen vor einem baufälligen Gebäude. „Zorros Zoohandlung“ prangte in roten Lettern an der verblichenen Wand der Front. Bella sprang vom Roller und betrat kurz darauf das Zoogeschäft durch den Hintereingang.

   „Welche Laus ist Dir denn über die Leber gelaufen?“, fragte der blonde Hüne an der Kasse, als er sie eintreten sah.
   Wortlos knallte Bella den Ausdruck der Fellkarte auf den Tisch und sah den Mann abwartend an.
Seine Nase begann nervös zu zucken. Er stotterte: „Tja…eh…also…Bella…“
   „Benutzt Du jetzt die Tiere Deiner Kunden für Deine Machenschaften?“, unterbrach Bella sein Gestammel. „Warum hat der Hund eine Karte auf seinem Bauch, die den Weg von Dir zum Trevi-Brunnen zeigt? Was haben diese Kerle mit dem Hund und der Karte vor?“ Ihre Stimme überschlug sich vor Wut. „Sag ja die Wahrheit, Mario!“
   „Liebes“, er versuchte, sie zu besänftigen, indem er nach ihrer Hand griff.
   Ärgerlich schlug sie diese fort. „Keine Zeit für Dein Liebesgeflüster“, zischte Bella leise. „Was steht sonst noch auf Deinem Portfolio? Tierquälerei? Erpressung? Die Corleone-Brüder? Was zahlen sie Dir dafür? Warum dürfen sie Deinen Hundesalon nutzen?“ Einmal richtig in Fahrt gekommen, sprudelten die Fragen nur so aus ihr heraus, während Mario, ihr ab und zu Freund – aber das ist eine ganz andere Geschichte – bis unter die blondierten Haarspitzen errötete und seinen Mund mehrmals tonlos öffnete und schloss, bevor er endlich eine von Bellas kurzen Atempausen nutze, um ihren Redeschwall zu unterbrechen.

   „Bella, jetzt hör´ mir endlich zu. Don Carlo hat diese Karte Tarantello, dem Lieblingshund seiner Frau Isidora, auf den Bauch rasieren lassen, um sie zum 50. Hochzeitstag zu überraschen, denn die Karte führt zu der Stelle, an der er Isidora vor 51 Jahren den Antrag gemacht hat. Er möchte dort mit ihr gemeinsam eine Münze in den Brunnen werfen und sich noch viele weitere Jahre miteinander wünschen. Tarantello ist sozusagen nur der Überbringer der Überraschung und des Plans.“
   Eine tiefe Röte überzog Bellas gebräuntes Gesicht. „So ein Glückspliz“, murmelte sie leise. „Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit für ein Paar.“ Sie blinzelte und fuhr dann fort. „Es tut mir leid, Mario, ich dachte, es wäre ein Verbrechen.“
   „Wenn wahre Liebe ein Verbrechen ist“, murmelte der Angesprochene, „sind wir hoffentlich alle einmal schuldig“

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