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Tanz im Bauch

Am Abend kam ich in der großen Stadt an und betrat gegen neun die Hotel-Lobby. Die Dame an der Rezeption war scheinbar zu Scherzen aufgelegt.
»Benötigen Sie einen Internet-Zugang?«
»Gerne, ist der kostenpflichtig?«
»Ja, der kostet …« Sie sah mich prüfend an, schaute auf den Monitor, dabei raunte sie … »Nichts!«

Ich musste lächeln. Eine attraktive Person, genau in meinem Alter.
»Dann nehme ich den.«
Sie legte mir strahlend den Zimmerschlüssel und einen Zettel mit den Zugangsdaten auf den Tresen.
»Der Aufzug ist dort hinten links. Sie müssen in den vierten Stock.«
»Danke,« antwortete ich immer noch etwas verwirrt und betrat wenig später mein Zimmer.

Messen teile ich mir in zwei Blöcke. In den aktiven, spannenden  Part der Begegnungen, Gespräche tagsüber. Dann die langweiligen Fernsehabende im Hotel.
Ich schlenderte, nachdem ich die Sachen eingeräumt hatte, nach unten, um eine Zigarette zu rauchen.
Auf dem Weg zurück hörte ich von der Rezeption tatsächlich ein »Schlafen Sie gut!«

Der Samstag auf der Messe begann wunderbar. Ich traf Kolleginnen auf einen Kaffee, wir plauderten und ich erkundete die Stände. Einige FB-Freundinnen wollten mich persönlich kennen lernen.
Am Ende des Messetages trieb mich der Hunger in ein italienisches Restaurant. Es lag auf dem Weg zum Hotel und sah einladend aus.
Pünktlich zum Beginn der Bundesliga war ich auf dem Zimmer. Danach gab es noch einen Wilsberg. Kurz vor zehn dachte ich an meine Bettruhe, doch zuerst die Sucht befriedigen.
Also runter auf eine Zigarette vor die Tür. Ich beeilte mich, denn es war frisch und ich hatte die Jacke oben liegen lassen.
Wieder drin ging ich zur Rezeption. Als Schlummertrunk wollte ich mir etwas mit aufs Zimmer nehmen.
»Ein Bier zum Mitnehmen«, sagte ich zu dem älteren Herrn der Nachtschicht.
Ich schnappte mir die Flasche vom Tresen und schlenderte Richtung Aufzug, als ich hinter der Wand eine Stimme vernahm.
»Herr Hansen!«
Ich blieb stehen. »Ja?«
Eine Tür ging auf, und die Dame vom Empfang stand vor mir. Beschwörend hob sie den Zeigefinger an die Lippen. »Psst, nichts dem da sagen! Sie zeigte zur Rezeption. »Ich habe noch was vor, hätten Sie Lust?«
Im Kopf liefen mehrere Filme gleichzeitig ab. Ich runzelte die Stirn, sah in ihre wunderbaren Augen und musste lächeln. »Kommt drauf an, was sie vorhaben.«
»Ich will jetzt zum Bauchtanz, möchten sie mich begleiten?«
Da brauchte ich nicht lange nachzudenken. Ein aufregender Abend in der Stadt war besser, als alleine im Bett zu liegen.
»Aber gerne, ich muss mir nur meine Jacke aus dem Zimmer holen.«
»Ich warte draußen vor der Tür«.
Ich zwinkerte ihr zu und eilte nach oben.

Sie lief durch verwinkelte Straßen und ich zweifelte, ob ich das Hotel ohne Hilfe wiederfinden würde. »Wo gehen wir hin? Was hat es mit dem Bauchtanz zu bedeuten?«
»Ich muss ins Scheherazade, will mich da als Tänzerin vorstellen. Wissen Sie, ich tanze schon lange. Heute treffe ich da den Boss, wenn Sie mit mir den Abend verbringen, können wir doch auch Du zueinander sagen. Ich heiße Hannah.«
»Gerne, mein Name ist David.«
Sie kam näher heran und hakte ihren Arm bei mir ein. »Und Du triffst da den Besitzer? Kennst du den?«
»Nein, ich habe gehört, dass er jetzt im Laden ist. Komm, wir sind gleich da.«
Wir bogen um die Ecke und ich sah den verschnörkelten Schriftzug vor mir. Eine breite Treppe führte zum Eingang, auf der Besucher darauf warteten, eingelassen zu werden. Vor der Tür hatte sich ein Bär von Mann aufgebaut.

Zielstrebig eilte Hannah auf ihn zu und zog mich dabei hinterher.
»Wir sind hier mit dem Chef verabredet«, hörte ich sie sagen.
Der Riese zuckte mit den Schultern und schüttelte leicht den Kopf. »Kein Tisch frei, tut mir Leid«. Er betrachtete uns prüfend.
»Oder seid ihr mit einem Stehplatz an der Bar zufrieden?«
Ich nickte ihm zu. »Ein Stehplatz ist in Ordnung.«
Mit einer einladenden Geste ließ er uns hinein. »Dann einen schönen Abend bei uns.«

Eine Welle ungewohnter Tonfolgen schlug uns entgegen. Klänge, wie ich sie mir aus Tausend und Eine Nacht vorstellen konnte. Der Raum war riesig, und alle Tische waren besetzt. Die Blicke der Gäste richteten sich auf eine kleine Bühne vor der Tanzfläche, auf der eine Bauchtänzerin ihr Können zeigte.
Hannah schien ebenso fasziniert wie ängstlich zu sein, sie suchte scheinbar Zum Schutz meine Nähe.

»Sollen wir wieder gehen, oder nehmen wir uns einen Platz an der Bar?« Ich sah in die verträumten Augen und stupste mit dem Finger die Nasenspitze dazwischen an. »Hast Du Angst vor deiner eigenen Courage?« Mein Arm legte sich wie von Geisterhand geführt um die Schultern neben mir und ihr Körper ging auf Tuchfühlung.
Getragen von den Wellen der ungewohnten Melodie führte ich Hannah zu einem Stehtisch in der Nähe der Bar. Ich half ihr aus der Jacke und hängte die an die Garderobe.
»Was möchtest Du trinken?«
Sie nahm zärtlich meine Hand und schaute mich an. »Ich bin so aufgeregt, einen Wodka bitte.«
Während wir auf die Getränke warteten, erzählten wir uns gegenseitig von uns.
Schließlich trat der Wirt an den Tisch, dem sie sich vorstellte. Sie gab ihm ihre Kontaktdaten und vereinbarte einen Termin zum Vortanzen.
Endlich sah ich ein entspanntes Lächeln. Hannah umarmte mich, »Du hast mir Glück gebracht«, flüsterte sie mir ins Ohr.
Die Musik wurde orientalisch schön, und die Tanzfläche füllte sich.
»Darf ich bitten«? Ich hielt ihr galant meine Hand entgegen. Wir versanken in den bezaubernden Melodien. Es war einmalig und jede Berührung erzeugte eine Gänsehaut.
Erst ein Blick zur Uhr beendete den Moment.
»Wir müssen gehen, die letzte Bahn fährt gleich.«
Arm in Arm tanzten wir den Weg zum Hotel, so kam es mir jedenfalls vor.  Dort blieben wir stehen. Wir umarmten und küssten uns mit wachsender Leidenschaft.
»Lass uns den Hintereingang nehmen, da sieht uns keiner«, flüsterte sie mir verführerisch zu.
Der Fahrstuhl öffnete mit einem leisen Pling die Tür. Erwartungsvoll folgte ich ihr und er fuhr uns himmlischen Momenten entgegen.

© Dinah Herbst/Dietmar Hesse

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KW 34 | Kerstin Steiner nominiert von Isabella Muhr

Challange

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Heute hat sich Kerstin Steiner Autorin der Challenge gestellt. Hier könnt ihr lesen, was sie aus den Wörtern von Isabella Muhr erschaffen hat.

Erdbeere – Milchshake – Teddybär – Plattenspieler – Torschütze – Kochschürze – Gefühlsecht – Gummistiefel  – Regentropfen – Planschbecken – Yogamatte – Fotoapparat – Appetithäppchen – Grossraumtaxi – Jazzmusik

Spuren im Sand

 

Klara ließ eine dicke, rote Erdbeere in den Milchshake fallen, nahm die Kochschürze ab und warf diese achtlos über den von Holzwürmern durchbohren Küchenstuhl. Ihr Blick glitt durch das Wohnzimmer des windschiefen Strandhauses hinaus auf die Terrasse, wo dicke Regentropfen wie im Zeitlupentempo in das pinke Planschbecken fielen, gemächlich über den Rand schwappten und Topfen für Tropfen die kleinen, vergessenen Gummistiefel füllten, um dann eine schmale, schneckenartige Spur bis zur leuchtenden Yogamatte zu ziehen, um schließlich in einem Rinnsal über die drei Stufen dem Strand entgegenzulaufen.

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KW 32 | Violet Truelove nominiert von Any Swan

Challange

 

 

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Violet Truelove

1. Rostlaube 2. Mondphase 3. Flasche 4. Zigeuner 5. Papierflieger 6. Zunge 7. Treppenstufe 8. Muschel 9. Sand 10. Lagerfeuer 11. Tafelsilber 12. Polizei 13. Baumstumpf 14. Pferdeschwanz 15. Fliegenklatsche

 

Lindsay fasste ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen und warf einen Blick auf ihren schlafenden Mann. Warden lag auf dem Bauch und wieder einmal konnte die Autorin ihr Glück nicht fassen, mit ihm verheiratet zu sein und sein Kind zu erwarten. Er sah zum Anbeißen aus und Lindsay musste sich mühsam davon abhalten, ihm nicht mit der Fliegenklatsche einen Hieb auf seinen knackigen Hintern zu geben. Sie biss sich auf die Zunge, um bei der Vorstellung, wie ihr Liebster daraufhin reagieren würde, nicht laut loszulachen.
Sie liebte Wardens Temperament, auch wenn es manchmal extrem nervig sein konnte, da er immerzu mit dem Kopf durch die Wand musste. Erst gestern hatten sie wieder eine lange Diskussion darüber gehabt, weshalb er unbedingt ein neues Auto brauchte und warum seine ‚Rostlaube’ es keinen Tag länger machen würde. Lindsay hatte sich unnachgiebig gezeigt, denn seinen Traumwagen – sein Weihnachtsgeschenk – hatte sie bereits vor Monaten geordert.
Sie griff zur Flasche auf dem Nachttisch und entdeckte eine wunderschöne Muschel, die Warden dort allem Anschein nach für sie platziert hatte. Lindsay lächelte versonnen und trank einen großen Schluck Wasser, ehe sie sich ans Aufstehen machte. Ihr gewaltiger Babybauch behinderte sie dabei, doch wegen ihres schmerzenden Rückens hielt sie es einfach nicht länger im Bett aus. Dabei hatte sie wegen der Mondphase, in der sie sich befanden, sowieso kaum geschlafen. Warden war der Meinung, dass der Vollmond keine Auswirkungen auf das Schlafverhalten hatte, doch was wusste er schon. Er schlief ohnehin so gut wie nie und war die halbe Nacht am Strand gewesen. Zum Glück war er nicht direkt ins Bett gekommen, sondern hatte erst den Geruch des Lagerfeuers und den Sand mit einer heißen Dusche von seinem durchtrainierten Körper gespült. Lindsay war, was Gerüche betraf, noch immer extrem empfindlich und neigte zur Übelkeit.
Sie stieg die Treppenstufen hinunter und entdeckte Aiden auf dem Sofa. Offensichtlich hatte er es – nach der langen Party – nicht mehr nach Hause geschafft. Na ja, eine wirkliche Party war es nicht gewesen. Eher ein gemütliches und spontanes Zusammensein der Männer. Lindsay war eine Weile bei ihnen gewesen, doch für eine Hochschwangere war es ungemütlich auf einem Baumstumpf zu sitzen, den das Meer an den Strand geschwemmt hatte. Natürlich hatte Warden – weil er absolut perfekt war – vorgeschlagen, ihr einen Liegestuhl von der Terrasse zu holen, aber da sie die einzige Frau am gestrigen Abend gewesen war, hatte sie beschlossen, sein Angebot abzulehnen. Wären Hope und Vera dabei gewesen, hätte sie es sicherlich angenommen, aber so beschloss sie ihrem Mann und seinen Freunden einen Männerabend zu gönnen. Schließlich würden sie in Kürze Eltern werden und dann war das wilde und unabhängige Leben, das sie führten, erst einmal für eine geraume Weile vorbei.
Lindsay widerstand der Versuchung, eine Decke über dem schlafenden Fotografen auszubreiten und die unzähligen Papierflieger, die die Männer irgendwann gebastelt haben mussten, aufzuräumen und schlich stattdessen Richtung Arbeitszimmer. Aiden würde womöglich aufwachen und dann war es mit ihrer freien Zeit vorbei. Sie hatte Warden eigentlich versprochen, weniger zu arbeiten, doch irgendwie wollte ihr das nicht gelingen. Ihr graute davor, wie es sein würde, wenn das Baby erst da wäre. Lindsay liebte das Schreiben und konnte sich ein Leben ohne nicht vorstellen. Sie machte den Computer an und setzte sich an ihren Schreibtisch. Als erstes widmete sich Lindsay ihrem Schützling. Schon vor einer geraumen Weile war sie ein Author-Wing geworden und unterstützte Autoren, die an ihrem ersten Buch arbeiteten. Das Mädchen, das sie betreute, war erst sechzehn Jahre alt. Sie besaß einen großartigen Wortschatz und einen sehr gefühlvollen Schreibstil, leider war der Story an sich anzusehen, wie jung und unerfahren ihr Schützling war. Es ging um ein 18-jähriges Mädchen, einen Zigeuner, gestohlenes Tafelsilber und einen Cop.
Natürlich war die Polizei dem Zigeuner, er war der Freund des Mädchens und ein absoluter Bad Boy, nach einem Einbruch schnell auf den Fersen und das Mädchen verliebte sich letztendlich in den Cop.
Lindsay regte ihren Schützling dazu an, die Charaktere vielschichtiger zu gestalten, denn Menschen waren nie nur gut oder böse, und mit Klischees zu brechen, ehe sie sich die Rezensionen zu Veras neustem Roman, einer süßen Novelle über einen Millionär und seine ungelebten Träume, ansah.
Mit dem Eintritt in die Top 100 gingen auch immer negative Bewertungen einher und da Lindsay wusste, wie sehr Vera ursprünglich darunter gelitten hatte, schrieb sie ihr eine PN über Facebook, als sie sah, dass es eine 1-Sterne-Rezi gab.
Veras Antwort kam umgehend: „Schon, okay 😉 Lieb, dass du fragst, aber die Rezi hat mir gestern sogar irgendwie den Tag gerettet.“
Lindsay schickte Vera als Antwort lediglich ein Fragezeichen, woraufhin Vera erklärte: „Habe mir die anderen Rezis angeschaut und gesehen, wem sie fünf Sterne für seinen Roman gegeben hat. Danach konnte ich den Kritikpunkt ‚primitive Sprache’ irgendwie nicht mehr ernst nehmen und dann war halt auch klar, dass es bloß eine Rezi war, die mich treffen und wegen der ich mich schlecht fühlen sollte.
Tja, der Schuss ging wohl nach hinten los. Selten so gelacht. Made my day!“
Lindsay gluckste belustigt und dachte daran, dass es schon so war, wie Warden immer sagte: Alles hat seinen Sinn!

 

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KW 31 | Any Swan nominiert von Nicole König

Challange
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Any Swan

Heute mit einer Geschichte von Any Swan. Nominiert wurde Any von Nicole König.

1. Malaga – 2. Cabrio – 3. Basilikum  – 4. Liebestöter  – 5. Kameraüberwachung – 6. Doppelstockbett – 7. Swimmingpool – 8. Gedächtnistraining – 9. Liebesspiel – 10. Mona Lisa – 11. Olivenbaum – 12. Garage – 13. Kacheln – 14. Moorhuhn – 15. Kreislauf

Was hatte mich nur geritten, dass ich mich auf einen Rucksacktrip quer durch Spanien eingelassen hatte? Die Landschaft fernab von den Touristenhochburgen war wunderschön, gar keine Frage. Auch das Naturschutzgebiet nahe Malaga, in dem ich mein erstes Moorhuhn zu Gesicht bekam, war eine absolute Augenweide. Doch leider hatte ich mir beim Abstieg von einem kleinen Berg den Fuß verstaucht und jeder Schritt war eine reine Qual. Allmählich merkte ich, wie die Anstrengung mir zudem auf den Kreislauf schlug.
„Ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause“, gab ich erschöpft von mir und ließ mich unter einem alten knorrigen Olivenbaum seitlich an der Straße nieder. Eigentlich war es eher ein Schotterweg und wir liefen seit einer gefühlten Ewigkeit hier entlang, ohne einem Wagen begegnet zu sein. Ich lehnte meinen Kopf gegen den Stamm und atmete tief durch.
Meine beste Freundin Melissa hockte sich vor mich hin, zog ihren Rucksack vom Rücken und gab mir daraus eine Wasserflasche, die ich dankend annahm.

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KW 30 | Nicole König nominiert von Ava Innings

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NicoleMit diesen spannenden 15 Begriffen, die ich von Ava Innings erhalten habe, entführe ich euch nach Elba in das Hotel der Familie Alberti. Wo auch mein neuer Roman „Liebe in Italien“ spielt.

1. Yogalehrer – 2. Hund  – 3. Zeitung  – 4. Heftpflaster – 5. Gürtelschnalle  – 6. Katzenklappe – 7. Rose – 8. Reisekoffer – 9. Kopfschmerzen – 10. Beinbruch – 11. Tacker – 12. Hörspiel – 13. Füller – 14. Papierkorb – 15.

Altlasten „Jenny?“, ruft mich Adrian vom anderen Ende der Lobby und winkt mir hektisch zu. Ich deute ihm an, dass ich fünf Minuten brauche, bevor ich zu ihm gehen kann. Denn ich war gerade dabei die verwelkte Rose vom Tresen in den Papierkorb zu werfen, und die Zeitungen für unsere Gäste zu richten, als ich eine Frau mit einem weinenden Kind auf mich zukommen sehe.
„Mats, jetzt beruhige dich doch“, fleht die Mutter ihn verzweifelt an und an mich gerichtet, sagte sie:
„Wissen Sie, er weint schon den ganzen Morgen. Wir haben seine Hörspiele vergessen, sodass er gestern erst spät eingeschlafen ist und aus dem Grund ist er heute nur am Weinen. Gibt es hier eine Möglichkeit Hörspiele in deutscher Sprache zu kaufen?“
Fieberhaft überlege ich, ob der kleine Elektronikmarkt auf der Insel diese führt.
„Es könnte sein, dass sie diese bei Luigi finden, aber vermutlich nur auf Italienisch.“
Sie atmet bei meiner Aussage tief durch.
„Warum laden wir die Hörspiele nicht aus dem Internet direkt auf Ihr Handy?“, schaltet sich jetzt unser neuer holländischer Praktikant ein.
„Meinen Sie, das geht?“
„Ja, natürlich. Die können wir abspeichern und Sie haben immer ausreichend Gute- Nacht-Geschichten für Ihren kleinen Sohn dabei.“
Anerkennend nicke ich Bastian zu. „Kümmerst du dich bitte darum?“, frage ich ihn.
„Ja, sehr gerne.“
Seitdem ich im Hotel Royal Alberti auf Elba als Empfangsleitung arbeite, habe ich schon eine Menge erlebt, da ist ein fehlendes Hörspiel das geringste Problem. Gerade die Situation letzte Woche, mit den beiden älteren Damen Ulla und Katharina, ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Noch immer bereitet es mir Kopfschmerzen, wenn ich nur daran denke. Vor Wut darüber keine passende Lösung gefunden zu haben, hätte ich am liebsten in den Tacker gebissen. Nicht nur, dass es zu einer Doppelbuchung kam, nein, ein Masseur war gleich ganz ausgefallen. Glücklicherweise war Enya zur Stelle und konnte mich unterstützen.
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Rezension – NY Millionaires Club – FINN

FinnBand 01 der NY-Millionaires-Club-Reihe.

Nach dem unvorhergesehenen Tod seines Vaters ist Finn gezwungen, die Geschäftsführung der millionenschweren Firma zu übernehmen. Die Verantwortung lastet schwer auf Finn, der seitdem ein sehr strukturiertes Leben führen muss und immer versucht, es allen recht zu machen – besonders seiner Mutter und seiner Verlobten Viktoria.

Seine Heiratspläne geraten jedoch ins Wanken, als die deutlich jüngere Sängerin Reagan in sein Leben platzt und ihn mit ihrem Erfolgssong daran erinnert, dass er eigentlich ganz andere Träume hatte. Doch Reagan, so bezaubernd sie auch ist, ist kein High Society Girl und passt so gar nicht in seine Welt.

Können der Millionär und die talentierte Sängerin dennoch einen Weg finden, zusammen zu sein?

Autor: Ava Innings
Verfügbar: als E-Book und
limitierte Auflage als Taschenbuch A6
Seitenzahl: 125
Preis: 0,99€ (E-Book)
ASIN ( E-Book ): B01CL93B5I
Zum Buch >>

Zum Cover:
Die Skyline transportiert mich sofort zum Ort des Geschehens. Die Beiden dahinter versprechen Vergnügen beim Lesen. Es erzeugt genau den ersten visuellen Eindruck, der mich dazu bringt, mehr wissen zu wollen, neugierig zu werden. Sehr gelungen, ein wunderschönes Cover!

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Ein Geist zum Verlieben – Violet Truelove

ein_geistDie Cousinen Daisy und Bella entstammen einer Familie mit übersinnlichen Fähigkeiten. Doch mit der Gabe geht ein schrecklicher Fluch einher, weshalb ihnen kein Liebesglück vergönnt ist. Gemeinsam versuchen die Cousinen den Fluch zu brechen und dadurch das Leben von Daisys Mann Jared zu retten. Ein Unterfangen, das die beiden Frauen vor ungeahnte Herausforderungen stellt. Als wäre das nicht bereits Problem genug, hat sich auch noch ein eigensinniger und scheinbar übermächtiger Geist an Bella geheftet.
Wird es dem Medium gelingen, diesem Herr zu werden?
Und kann der Fluch überhaupt gebrochen werden?

Cover:
Wie immer wunderschön, einfühlsam und in die Geschichte einladend.

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KW 29 | Ava Innings nominiert von Medusa Mabuse

Challange

1. Hausschlüssel – 2. Stehcafé  – 3. Gitarrenhals – 4.  Petrischale
– 5. Schnuller – 6. Spaghettizange – 7. Einkaufskorb  – 8. Warteschlange  – 9. Fußmarsch – 10. Selfie – 11. Feierabend – 12. Badewanne – 13. Reisebüro – 14. Führerschein-  15. Fotografie

Nachdenklich betrachte ich das Selfie, das uns drei in dem Hotelzimmer zeigt, in dem wir unsere erste Liebesnacht verbracht haben. Rory grinst über beide Ohren und sieht so verdammt heiß aus, dass ich hart schlucken muss. Diese Fotografie erinnert mich immer daran, was wir – wenn auch nur für kurze Zeit – hatten. Hoffentlich geht es ihm ebenso. Ich schicke ihm die Aufnahme und bete, dass er bald zur Besinnung kommt, denn ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie lange ich es noch aushalte, mir anzusehen, wie die Groupies sich in die Warteschlange einreihen, um von ihm flachgelegt zu werden.
Auch Brads Geduld scheint langsam am Ende zu sein. Wobei er es aus einer anderen, sehr viel pragmatischeren Perspektive betrachtet. Wie sagte er gestern so schön? „Sonst musst du dann doch irgendwann auf dein Schnuller-Glück aus der Petrischale zurückgreifen.“ Ich weiß, dass er Angst hat, dass ich ihn verlasse, weil er mir kein Baby machen kann, doch ich bin erst zweiundzwanzig und es ist noch viel zu früh, um sich darüber Gedanken zu machen. Ich stecke das Handy weg und greife zu der Gitarre, die neben mir auf dem Sofa liegt. Meine Finger schließen sich um den Gitarrenhals und ich beginne zu spielen. Ein Geräusch lässt mich zusammenzucken und ich blicke auf. Tiger steht auf der Arbeitsplatte und reibt sich an den Kochutensilien, die an einer Leiste an der Wand hängen.

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Blütendämmerung – Daphne Unruh

daphne2 Daphne Unruh,

eine Frau, die es wunderbar versteht, uns in eine Welt der Fantasie  zu entführen. Ich war schon nach den ersten Seiten eingetaucht in  die Welt von Kira und ihren Freunden.

Ihre Geschichte spielt in zwei Welten, im Berlin von heute, und in  einer wunderbaren Parallelwelt, einer von vielen Blasen, in der „Kira“  ihre Kräfte zu beherrschen lernen soll.

Kiras Geburtstag. Sie erwartet Gäste. Für so viele hat sie den Tisch noch nie gedeckt. Sie ist ja auch nicht zu Hause in der realen Welt. Sie ist in der Akademie, in einer der Blasen der Magie.Blütendämmerung

Doch die wunderbare Welt der Fantasie ist in Gefahr.
Können die Räte die Situation in den Griff bekommen? Oder benötigen sie Hilfe?

Das lest besser selber in „Blütendämmerung“.

Ich hatte nie daran geglaubt, so einen Traum zum Lesen zu bekommen.

Wunderbar geschrieben, und für jeden, der in ruhigen Minuten gerne in die Welt der Fantasie eintaucht, ein unbedingtes muss.