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KW 49 | Bettina Betty Kiraly Kay nominiert von Medusa Mabuse

ChallangeEine Geschichte von Bettina Betty Kiraly Kay, die von Medusa Mabusenominiert wurde.

Einkaufsorgie –  Warenkorb – Kühlschrank – Sonnenuntergang – Tiefkühlpizza –  Kristallleuchter – Badeperlen – Katzenjammer – Ravel-  Spielverderber – Blumenmeer – Flügelschlag – Katapult – Couchpotatoe – Zielgerade

Weihnachten daheim

„Ich bin schon auf der Zielgeraden für Weihnachten. Wie sieht es bei dir aus?“, frage ich über meine Schulter, während ich die letzten Lebensmittel aus den Einkaufstüten im Kühlschrank verstaue.
Adrian greift an mir vorbei nach einer Packung Wurst, reißt sie auf und steckt sich eine Scheibe in den Mund. „Willst du auch, Süßer?“, fragt er als Antwort auf meinen strengen Blick.
„Danke nein.“

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Weihnachtshäppchen – zweiter Teil

adventschallenge***Weihnachtshäppchen***  Leser/Autoren-Challenge

Zum zweiten Advent verwöhnt euch Ava Innings/Viola Plötz mit den Worten von NinaGrey. Viel Spaß!

Schneeflocken , Lichterketten , Weihnachtsleckereien , geschmückte Fenster , Familie

Chandler sah sich in dem Haus, in dem Willow aufgewachsen war, um. Es wirkte warm, einladend und behaglich und stand daher in krassem Widerspruch zu Willows Erzählungen. Chandler warf einen Blick zu seiner Freundin, die an einem der geschmückten Fenster stand, hinaus in die Nacht stierte und verzweifelt versuchte, ihre Schwester zu erreichen. „Weihnachtshäppchen – zweiter Teil“ weiterlesen

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KW 37 | Ava Innings nominiert von Medusa Mabuse

Challange

Es ist Samstag, es ist Indie-Autor-Challenge-Time. Heute gibt es eine Geschichte von Ava Innings, die von Medusa Mabuse nominiert wurde und euch einen Auszug aus ihrer kommenden Novelle “NY Millionäre Club – Chandler” vorstellt. In die Geschichte musste sie 15 Wörter einbauen, die Medusa ihr vorgegeben hat. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen. (Viola Plötz)

1. Steuererklärung 2. Räumungsverkauf 3. Umzugskartons 4. Kabelsalat 5. Korkenzieher 6. Lesebrille 7. Kofferraum 8. Regenschirm 9. Lockenwickler 10. Geschenkpapier 11. Wasserglas 12. Tastatur 13. Geldbeutel 14. Parkplatz 15. Smartphone

viola

 

 

WILLOW
Diese Frau brachte sie um den Verstand. Wie konnte man an einem Samstagmorgen um kurz nach sechs so wunderbar aussehen und so eine unfassbar gute Laune haben? Die Haare ihrer Schwester saßen perfekt und sahen aus, als wären sie gerade erst frisch von den Lockenwicklern gerollt worden … was nicht stimmte: Nein, unfairer Weise sahen sie immer so aus.
Willow beneidete Harper um ihre wunderschönen Korkenzieherlocken und auch darum, dass diese in Kürze zu ihrem Verlobten ziehen würde. Der Umzugsdienst sollte in rund zwei Stunden da sein. Einen Parkplatz vor dem Haus, damit die Möbelpacker nicht unnötig schleppen mussten, hatten sie bereits reserviert. Es blieb also noch genug Zeit nach einem kurzen Frühstück, um die letzten Dinge zu verstauen. Harper hatte gestern bis spät in die Nacht ihre Steuererklärung gemacht und daher musste der Rechner samt Tastatur und Kabelsalat, den Drucker, externe Festplatten und USB-Hubs verursacht hatten, noch in einen Umzugskarton gepackt werden.
Sechs schweißtreibende Stunden später sah sie zu, wie der Speditionsdienst davonfuhr. Sie verstaute noch den Karton mit den Wassergläsern und einen Regenschirm in dem Kofferraum von Harpers Auto, ehe sie ihre Schwester in die Arme schloss und sagte: „Das wäre geschafft!“

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KW 36 | Medusa Mabuse nominiert von Dietmar Hesse

Challange

Es ist Samstag, Zeit für eine neue Kurzgeschichte aus der #IndieAutorChallenge.
Heute hat sich die bezaubernde Kollegin Medusa Mabuse meiner fünfzehn Wörter angenommen, und daraus eine  spannende  Kurzgeschichte geschrieben.

1. Aster – 2. Cocktail – 3. Liegestuhl – 4. Aufzug – 5. Ratte – 6. Kekse – 7. Postkarte – 8. Kunstwerk – 9. Lapislazuli – 10. Visitenkarte – 11. Handschellen – 12. Himmelbett – 13. Hase – 14. Kaktus – 15. Schlangenlinie

Medusa Mabuse

 

 

Träge blinzelnd schlug Liliana die Augen auf, als sich der Ober dezent räusperte und ein Tablett auf das Tischchen neben ihren Liegestuhl stellte.
»Verzeihung, Miss. Mit besten Wünschen von dem Herrn an der Bar«, erklärte er steif.
Ihr Blick huschte über den Pool hinweg zu dem Pavillon, um den sich einige Hotelgäste versammelt hatten. »Von wem genau?«, fragte sie nach, obwohl sie bereits ahnte, wer ihr den Cocktail spendiert hatte.
»Der Herr ganz links«, bestätigte der Kellner ihre Annahme. »Möchten Sie ihm eine Nachricht zukommen lassen? Hier, er hat seine Visitenkarte beigelegt.«
Der Mann war ihr schon heute Morgen beim Frühstück aufgefallen. Eine Augenweide, der die Blicke vieler Frauen, sogar Männer anzog. Geschmeidig bewegte er sich durch den Saal und nahm am Nebentisch Platz.
Nach dem ersten Schluck Kaffee sah er sich um und grüßte freundlich herüber: »Guten Morgen. Auch alleine hier?«
Plump, sehr Plump, befand Liliana, und gab lediglich ein sprödes »Morgen« zurück, ehe sie übereilt den Frühstückssaal verließ.
Danach war er ihr noch einmal in der Lobby über den Weg gelaufen. Er trat in dem Moment aus dem Aufzug, als sie daran vorüberging, um am Empfang eine Postkarte abzugeben. Sie konnte gerade noch mit einem Schritt zur Seite verhindern, dass er sie umrannte. Dieses Manöver beförderte sie allerdings in einen Pflanzkübel, der neben dem Fahrstuhl platziert, und mit wundervoll duftenden Astern bestückt war.
Es war ihr peinlich, denn üblicherweise war sie nicht so tollpatschig. Er hingegen besaß die Frechheit sie auch noch auszulachen.
»Sie können von Glück reden, dass dies kein Kaktus war«, verspottete er sie.
Liliana sah wütend zu ihm auf, verkniff sich jedoch eine bissige Antwort. Stattdessen ließ sie ihn stehen und ging nach draußen an den Pool, wo sie die nächsten Stunden ungestört war. „KW 36 | Medusa Mabuse nominiert von Dietmar Hesse“ weiterlesen
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Tanz im Bauch

Am Abend kam ich in der großen Stadt an und betrat gegen neun die Hotel-Lobby. Die Dame an der Rezeption war scheinbar zu Scherzen aufgelegt.
»Benötigen Sie einen Internet-Zugang?«
»Gerne, ist der kostenpflichtig?«
»Ja, der kostet …« Sie sah mich prüfend an, schaute auf den Monitor, dabei raunte sie … »Nichts!«

Ich musste lächeln. Eine attraktive Person, genau in meinem Alter.
»Dann nehme ich den.«
Sie legte mir strahlend den Zimmerschlüssel und einen Zettel mit den Zugangsdaten auf den Tresen.
»Der Aufzug ist dort hinten links. Sie müssen in den vierten Stock.«
»Danke,« antwortete ich immer noch etwas verwirrt und betrat wenig später mein Zimmer.

Messen teile ich mir in zwei Blöcke. In den aktiven, spannenden  Part der Begegnungen, Gespräche tagsüber. Dann die langweiligen Fernsehabende im Hotel.
Ich schlenderte, nachdem ich die Sachen eingeräumt hatte, nach unten, um eine Zigarette zu rauchen.
Auf dem Weg zurück hörte ich von der Rezeption tatsächlich ein »Schlafen Sie gut!«

Der Samstag auf der Messe begann wunderbar. Ich traf Kolleginnen auf einen Kaffee, wir plauderten und ich erkundete die Stände. Einige FB-Freundinnen wollten mich persönlich kennen lernen.
Am Ende des Messetages trieb mich der Hunger in ein italienisches Restaurant. Es lag auf dem Weg zum Hotel und sah einladend aus.
Pünktlich zum Beginn der Bundesliga war ich auf dem Zimmer. Danach gab es noch einen Wilsberg. Kurz vor zehn dachte ich an meine Bettruhe, doch zuerst die Sucht befriedigen.
Also runter auf eine Zigarette vor die Tür. Ich beeilte mich, denn es war frisch und ich hatte die Jacke oben liegen lassen.
Wieder drin ging ich zur Rezeption. Als Schlummertrunk wollte ich mir etwas mit aufs Zimmer nehmen.
»Ein Bier zum Mitnehmen«, sagte ich zu dem älteren Herrn der Nachtschicht.
Ich schnappte mir die Flasche vom Tresen und schlenderte Richtung Aufzug, als ich hinter der Wand eine Stimme vernahm.
»Herr Hansen!«
Ich blieb stehen. »Ja?«
Eine Tür ging auf, und die Dame vom Empfang stand vor mir. Beschwörend hob sie den Zeigefinger an die Lippen. »Psst, nichts dem da sagen! Sie zeigte zur Rezeption. »Ich habe noch was vor, hätten Sie Lust?«
Im Kopf liefen mehrere Filme gleichzeitig ab. Ich runzelte die Stirn, sah in ihre wunderbaren Augen und musste lächeln. »Kommt drauf an, was sie vorhaben.«
»Ich will jetzt zum Bauchtanz, möchten sie mich begleiten?«
Da brauchte ich nicht lange nachzudenken. Ein aufregender Abend in der Stadt war besser, als alleine im Bett zu liegen.
»Aber gerne, ich muss mir nur meine Jacke aus dem Zimmer holen.«
»Ich warte draußen vor der Tür«.
Ich zwinkerte ihr zu und eilte nach oben.

Sie lief durch verwinkelte Straßen und ich zweifelte, ob ich das Hotel ohne Hilfe wiederfinden würde. »Wo gehen wir hin? Was hat es mit dem Bauchtanz zu bedeuten?«
»Ich muss ins Scheherazade, will mich da als Tänzerin vorstellen. Wissen Sie, ich tanze schon lange. Heute treffe ich da den Boss, wenn Sie mit mir den Abend verbringen, können wir doch auch Du zueinander sagen. Ich heiße Hannah.«
»Gerne, mein Name ist David.«
Sie kam näher heran und hakte ihren Arm bei mir ein. »Und Du triffst da den Besitzer? Kennst du den?«
»Nein, ich habe gehört, dass er jetzt im Laden ist. Komm, wir sind gleich da.«
Wir bogen um die Ecke und ich sah den verschnörkelten Schriftzug vor mir. Eine breite Treppe führte zum Eingang, auf der Besucher darauf warteten, eingelassen zu werden. Vor der Tür hatte sich ein Bär von Mann aufgebaut.

Zielstrebig eilte Hannah auf ihn zu und zog mich dabei hinterher.
»Wir sind hier mit dem Chef verabredet«, hörte ich sie sagen.
Der Riese zuckte mit den Schultern und schüttelte leicht den Kopf. »Kein Tisch frei, tut mir Leid«. Er betrachtete uns prüfend.
»Oder seid ihr mit einem Stehplatz an der Bar zufrieden?«
Ich nickte ihm zu. »Ein Stehplatz ist in Ordnung.«
Mit einer einladenden Geste ließ er uns hinein. »Dann einen schönen Abend bei uns.«

Eine Welle ungewohnter Tonfolgen schlug uns entgegen. Klänge, wie ich sie mir aus Tausend und Eine Nacht vorstellen konnte. Der Raum war riesig, und alle Tische waren besetzt. Die Blicke der Gäste richteten sich auf eine kleine Bühne vor der Tanzfläche, auf der eine Bauchtänzerin ihr Können zeigte.
Hannah schien ebenso fasziniert wie ängstlich zu sein, sie suchte scheinbar Zum Schutz meine Nähe.

»Sollen wir wieder gehen, oder nehmen wir uns einen Platz an der Bar?« Ich sah in die verträumten Augen und stupste mit dem Finger die Nasenspitze dazwischen an. »Hast Du Angst vor deiner eigenen Courage?« Mein Arm legte sich wie von Geisterhand geführt um die Schultern neben mir und ihr Körper ging auf Tuchfühlung.
Getragen von den Wellen der ungewohnten Melodie führte ich Hannah zu einem Stehtisch in der Nähe der Bar. Ich half ihr aus der Jacke und hängte die an die Garderobe.
»Was möchtest Du trinken?«
Sie nahm zärtlich meine Hand und schaute mich an. »Ich bin so aufgeregt, einen Wodka bitte.«
Während wir auf die Getränke warteten, erzählten wir uns gegenseitig von uns.
Schließlich trat der Wirt an den Tisch, dem sie sich vorstellte. Sie gab ihm ihre Kontaktdaten und vereinbarte einen Termin zum Vortanzen.
Endlich sah ich ein entspanntes Lächeln. Hannah umarmte mich, »Du hast mir Glück gebracht«, flüsterte sie mir ins Ohr.
Die Musik wurde orientalisch schön, und die Tanzfläche füllte sich.
»Darf ich bitten«? Ich hielt ihr galant meine Hand entgegen. Wir versanken in den bezaubernden Melodien. Es war einmalig und jede Berührung erzeugte eine Gänsehaut.
Erst ein Blick zur Uhr beendete den Moment.
»Wir müssen gehen, die letzte Bahn fährt gleich.«
Arm in Arm tanzten wir den Weg zum Hotel, so kam es mir jedenfalls vor.  Dort blieben wir stehen. Wir umarmten und küssten uns mit wachsender Leidenschaft.
»Lass uns den Hintereingang nehmen, da sieht uns keiner«, flüsterte sie mir verführerisch zu.
Der Fahrstuhl öffnete mit einem leisen Pling die Tür. Erwartungsvoll folgte ich ihr und er fuhr uns himmlischen Momenten entgegen.

© Dinah Herbst/Dietmar Hesse

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KW 35 │ Dietmar Hesse nominiert von Kerstin Steiner

challenge

dietnar

 

 

 

Fünfzehn Wörter, vorgegeben von Kerstin Steiner. Es war nicht einfach.

 

Zuckerstange –  Judo – Traum – Zwiebelringe – Synchronspringen – Katzenfutter – Brett –  Vorhang – Federung – Anlauf – Regen – Sohlen – Fußball – Kamera – Bimsstein.

 

Der Wettkampf
Dietmar Hesse

In der Badewanne liegend bearbeitete ich die Sohlen mit dem Bimsstein der holden Ehefrau. Sie mochte keine Hornhaut, egal wo! Lächelnd dachte ich, auch nicht auf meiner Seele!
Die Sonnen schien mir direkt in die Augen und blendete gewaltig. Ich Depp hatte vergessen, den Vorhang zuzuziehen!
Nach einem Blick zur Uhr stieg ich aus, rubbelte die Haare trocken und machte mich landfein.
Elfie hatte heute ihren Big Moment. Weil ihre Freundin mit Magen-Darm den Tag im Bett verbringen musste, war sie aufgerückt, und durfte sich im Mannschaftssynchronspringen beweisen. Wenn ich da zu spät kam, gnade mir Gott!
Hatte ich die Kamera eingepackt? Nicht pünktlich im Hallenbad anzukommen, war ein Ding. Ohne Fotos von ihren Sprüngen zurückzukommen stand auf einem anderen Blatt Papier! Fotoapparat gecheckt, gute Laune, es konnte kosgehen!
An der Haustür wartete Samira, maunzte traurig und schlich mit aufgestelltem Schwanz zwischen meinen Beinen hindurch. Hatte ich ihr Katzenfutter vergessen?
Vorsichtig hob ich sie auf, streichelte ihr Köpfchen und ging mit der Katzendame in die Küche. Tatsächlich, der Napf war leer. Ich schaute im Vorratsschrank nach, eigentlich kümmerte sich Elfie um die Kleine. Da lag eine Zuckerstange, die war wohl eher als Belohnung für Daniel gedacht, die Packung Zwiebelringe bestimmt eine Frühstücksbeilage.
Ah, da hinten sah ich Samiras leckeres Futter. Ein Schälchen geöffnet und ihr in den Fressnapf gegeben, das machte ich doch gerne. Als sie sofort dahin sprintete und genüsslich begann, ihr Mahl zu verspeisen strich ich ihr noch einige Male zärtlich über den Rücken, kraulte sie am Kopf und verabschiedete mich lächelnd.
Nun musste ich schnell sein. Grade rechtzeitig kam ich am Schwimmbad an und wurde auf die Tribüne geleitet. Genau die richtige Höhe für gelungene Bilder. Das Stativ aufbauen, das Teleobjektiv montieren, dann war ich bereit!
An der Treppe des Turms stand meine Frau, die Ränge nach mir absuchend.
Ich gab ihr ein Zeichen mit der Hand.
Der Wettkampf fing an. Unsere Damen sollten als drittes Team springen.
Regionsmeisterschaften, so eine Sache für sich. Alle kannten sich gut. Die ersten zwei Mannschaften legten saubere Sprünge vor.
Jetzt war sie dran. Ich fieberte hinter der Kamera mit. Der Delphinsalto der beiden war ein Traum, technisch einwandfrei, ein Gleichklang wie ich ihn selten gesehen hatte. Begeistert klatschte ich.
Sie tauchte auf und suchte mich, winkte mir euphorisch zu. Sie wusste, der Part war klasse. Einer von fünf, hoffentlich sprangen sie so gut weiter.
Runde drei.
Schon beim Betreten der Leiter sah Sonja, eine Sportlerin aus der Nachbarstadt, unsicher aus. Oben auf siebeneinhalb Meter Höhe glaubte ich zu sehen, dass sie leicht schwankte. Der Absprung zum Rückwärtssalto gelang nicht. In der Luft verlor sie die Kontrolle, konnte die Arme anlegen, doch prallte fast waagerecht auf die Wasseroberfläche. Die Rettungsschwimmer von der DLRG eilten sofort zur herbei und holten sie heraus.
Zuerst sah das übel aus, nicht eine Bewegung sah ich von hier. Die Springerinnen, darunter auch Elfie, betrachteten mit offenen Mündern vom Rand aus das Geschehen.
Nach ein paar Minuten erkannte ich, dass sie sich bewegte, hustend zu sich kam.
Mit unterstützenden Griffen der Helfer erhob sie sich, winkte zu uns und wurde in den Krankenwagen geführt.
Ich atmete tief durch, das hätte schlimm ausgehen können. Auf dem Turm war kein Brett mit Federung. Anlauf gab es hier nicht, aus dem Stand wurde konzentriert gesprungen. Ein Fehler beim Absprung brachte den ganzen Ablauf durcheinander. Gott sei dank ging das noch einmal gut. Ich wusste nicht, warum sie so aufgeregt und unkonzentriert auf die Leiter stieg.
Es kehrte wieder Ruhe ein und der Wettkampf wurde fortgeführt. Sprung für Sprung beschäftigte ich mich mit dem Fotografieren. Nur wenn Elfie sich obenvorbereitete, begann das Herz in mir zu rasen. Sie machte so eine tolle Figur in ihrem Badeanzug. Meine Frau eben, egal wo, immer ein Sonnenschein.
Die Leistung der Beiden überzeugte alle Zuschauer, jetzt wartete ich gespannt auf das Urteil der Preisrichter. Leichter Regen kam vom Himmel herunter. Das konnte den Tag nicht mehr verderben.
Die Entscheidung war gefallen. Trara! Hohenstein hatte den Regionalwettbewerb gewonnen. Ich packte die Sachen zusammen und eilte hinunter, um mit der Mannschaft zu feiern.
Im Mannschaftsraum sah ich nur in strahlende Gesichter. Trainer, Kolleginnen und die Akteure lagen sich in den Armen. Champagnerflaschen wurden geköpft, sie prosteten sich zu, und die Stimmung schwebte auf Wolken. Als ich den Raum betrat, fragten mich alle nach den Fotos .«
»Mädels, ihr habt gesiegt, feiert, den Rest sehen wir uns morgen an. Herzlichen Glückwunsch!«
Ich holte Elfie aus der feiernden Traube heraus. »Komm, wir fahren heim und genießen zu zweit deinen Sieg.«
»Nur noch einen kleinen Moment, der Trainer ist gerade raus, um zu fragen, wie es Sonja geht.«
»Klar, und dann ab aufs Sofa?«
Sie lächelte süß. »Aber ja, du bist doch mein Bester!«
Gerührt setzte ich mich und wartete.
Rubens, der Betreuer, kam lachend herein. »Mit Sonja ist alles okay, ein paar blaue Flecke und Bestürzung über das Missgeschick. Entwarnung!«
Elfie kuschelte, wir sagten tschau und fuhren Richtung Wohnzimmer. Daheim war es still. Samira schlummerte in ihrer Hängematte, Daniel schien schon zu schlafen.
»Ich denke, dein Erfolg darf gefeiert werden. Du hast so wunderbar ausgesehen in dem Badeanzug, die Sprünge, einfach perfekt! Cool, eine so tolle Frau zu haben.«
Sie grinste und schlug mir grinsend auf die Schulter.

Wir saßen auf dem Sofa, ein Glas Sekt in den Händen und wollten gerade auf ihren Sieg anstoßen, als unser Großer zu mir kam. Er stupste mich an. »Kommst du mal, ich muss mit dir reden?«
Daniel, mein Sprössling, war mit zwölf begeister vom Judo. Die weißen Anzüge, schwarzen Gürtel, die fließenden Bewegungen auf der Matte faszinierten ihn.
»Klar, geh schon mal ins Zimmer, ich bin sofort bei dir.«
Ich prostete der Frau des Herzens zu, wir tranken einen Schluck, und ich zuckte entschuldigend mit den Schultern.
»Unser Sohn will sprechen, der hat wohl ein Problem. Bleib sitzen, wir feiern deinen Sieg gleich weiter. Verliebt zwinkerte ich ihr zu.
»Was ist denn so wichtig, Großer?« »Papa, Judo ist doch nichts für mich. Die machen ja ernst!«
»Tja, Sohnemann. Das ist eine Erfahrung für die Zukunft. Da geht es so zu. Was gibt den noch so, dass dir gefallen würde?«
»Fußball, das kann ich bestimmt, laufe auf dem Platz herum und schieße den Ball.«
Ich lächelte ihm zu, »dann melden wir dich in der Jugendabteilung an, willst du?«
»Klar!« Lachend verschwand er im Jugendzimmer.
Ich grinste innerlich. Du wirst es sehen, Daniel! Da landest du nicht auf der Matte, ist dir der Rasen lieber? Die Erinnerung an meine Begegnung mit der Sportart war zwar schon länger her. An die nahen Kontakte mit der Grasnabe konnte ich mich aber gut erinnern.
Zurück bei Elfie schaute sie so fragend, dass ich um eine Erklärung nicht herum kam.
»Beruhige dich, er mag die weißen Anzüge nicht mehr, ein Fußball-Trikot ist jetzt sein Hit. Wer kann das vorhersagen, am Ende des Weges landet er vielleicht auf dem Sprungturm.«

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KW 34 | Kerstin Steiner nominiert von Isabella Muhr

Challange

kw34
Heute hat sich Kerstin Steiner Autorin der Challenge gestellt. Hier könnt ihr lesen, was sie aus den Wörtern von Isabella Muhr erschaffen hat.

Erdbeere – Milchshake – Teddybär – Plattenspieler – Torschütze – Kochschürze – Gefühlsecht – Gummistiefel  – Regentropfen – Planschbecken – Yogamatte – Fotoapparat – Appetithäppchen – Grossraumtaxi – Jazzmusik

Spuren im Sand

 

Klara ließ eine dicke, rote Erdbeere in den Milchshake fallen, nahm die Kochschürze ab und warf diese achtlos über den von Holzwürmern durchbohren Küchenstuhl. Ihr Blick glitt durch das Wohnzimmer des windschiefen Strandhauses hinaus auf die Terrasse, wo dicke Regentropfen wie im Zeitlupentempo in das pinke Planschbecken fielen, gemächlich über den Rand schwappten und Topfen für Tropfen die kleinen, vergessenen Gummistiefel füllten, um dann eine schmale, schneckenartige Spur bis zur leuchtenden Yogamatte zu ziehen, um schließlich in einem Rinnsal über die drei Stufen dem Strand entgegenzulaufen.

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KW 33 | Zoe M. Lynwood nominiert von Violet Truelove

Challange

Isabella Muhr

 

Samstag heißt ‪#‎IndieAuthorChallenge‬ Zeit und diesmal stammt die Geschichte von der großartigen Zoe M. Lynwood, die von Violet Truelove & Lindsay Lovejoy nominiert worden ist. Es ist eine ganz besondere Geschichte, weil sie aus Zoes neuem Buch Millionaires Club – Mason stammt, das noch in diesem Jahr erscheint.
Viel Spaß beim Lesen!

 

 

Fabrikhalle – Bleistiftrock – Stretchlimousine – High Heels – Strandrestaurant – Central Park – Abendessen – Rotwein – Wellengang – Rüschenbluse – Pferdekutsche – Blitzhochzeit – King Size Bed – Las Vegas – Raod Trip

Mason
Zoe M. Lynwood

»Müssen sie ihren Hund immer mit in die Arbeit schleppen?«, schimpfte Quentin Pynkett – Gründersohn des milliardenschweren Modeimperiums Quepy – über den Schreibtisch hinweg. Er verstummte jedoch augenblicklich, als er Masons eisernen Blick bemerkte.
Pynkett mochte vielleicht der Chef und sein Vater der Namensgeber dieses Ladens sein, aber Mason war seit knapp fünf Jahren der Kopf des Unternehmens und die treibende Kraft, die es ihnen überhaupt erst ermöglicht hatte, internationale Erfolge zu feiern. Mit Masons feinem Gespür für Trend und Stil in Kombination mit seinem Verhandlungsgeschick waren sie unschlagbar auf dem Markt und das wusste sein Chef ganz genau.
Mason konnte sehen, wie sich Pynketts Augen zu reiskornkleinen Schlitzen verengten und Mason ging jede Wette ein, dass er die Abhängigkeitsbeziehung die Pynkett zu ihm pflegte, einmal mehr verfluchte. Er konnte sehen, dass sein Chef etwas sagen wollte, doch was für ein bissiger Kommentar ihm auch auf der Zunge liegen mochte, er schluckte ihn wieder hinunter. Mason hatte inzwischen mit gewohnter Gelassenheit auf dem Stuhl gegenüber Platz genommen und seine Hundedame Shelly sabberte mit genüsslicher Unbedarftheit die Tischplatte voll.
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KW 32 | Violet Truelove nominiert von Any Swan

Challange

 

 

viola
Violet Truelove

1. Rostlaube 2. Mondphase 3. Flasche 4. Zigeuner 5. Papierflieger 6. Zunge 7. Treppenstufe 8. Muschel 9. Sand 10. Lagerfeuer 11. Tafelsilber 12. Polizei 13. Baumstumpf 14. Pferdeschwanz 15. Fliegenklatsche

 

Lindsay fasste ihre Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen und warf einen Blick auf ihren schlafenden Mann. Warden lag auf dem Bauch und wieder einmal konnte die Autorin ihr Glück nicht fassen, mit ihm verheiratet zu sein und sein Kind zu erwarten. Er sah zum Anbeißen aus und Lindsay musste sich mühsam davon abhalten, ihm nicht mit der Fliegenklatsche einen Hieb auf seinen knackigen Hintern zu geben. Sie biss sich auf die Zunge, um bei der Vorstellung, wie ihr Liebster daraufhin reagieren würde, nicht laut loszulachen.
Sie liebte Wardens Temperament, auch wenn es manchmal extrem nervig sein konnte, da er immerzu mit dem Kopf durch die Wand musste. Erst gestern hatten sie wieder eine lange Diskussion darüber gehabt, weshalb er unbedingt ein neues Auto brauchte und warum seine ‚Rostlaube’ es keinen Tag länger machen würde. Lindsay hatte sich unnachgiebig gezeigt, denn seinen Traumwagen – sein Weihnachtsgeschenk – hatte sie bereits vor Monaten geordert.
Sie griff zur Flasche auf dem Nachttisch und entdeckte eine wunderschöne Muschel, die Warden dort allem Anschein nach für sie platziert hatte. Lindsay lächelte versonnen und trank einen großen Schluck Wasser, ehe sie sich ans Aufstehen machte. Ihr gewaltiger Babybauch behinderte sie dabei, doch wegen ihres schmerzenden Rückens hielt sie es einfach nicht länger im Bett aus. Dabei hatte sie wegen der Mondphase, in der sie sich befanden, sowieso kaum geschlafen. Warden war der Meinung, dass der Vollmond keine Auswirkungen auf das Schlafverhalten hatte, doch was wusste er schon. Er schlief ohnehin so gut wie nie und war die halbe Nacht am Strand gewesen. Zum Glück war er nicht direkt ins Bett gekommen, sondern hatte erst den Geruch des Lagerfeuers und den Sand mit einer heißen Dusche von seinem durchtrainierten Körper gespült. Lindsay war, was Gerüche betraf, noch immer extrem empfindlich und neigte zur Übelkeit.
Sie stieg die Treppenstufen hinunter und entdeckte Aiden auf dem Sofa. Offensichtlich hatte er es – nach der langen Party – nicht mehr nach Hause geschafft. Na ja, eine wirkliche Party war es nicht gewesen. Eher ein gemütliches und spontanes Zusammensein der Männer. Lindsay war eine Weile bei ihnen gewesen, doch für eine Hochschwangere war es ungemütlich auf einem Baumstumpf zu sitzen, den das Meer an den Strand geschwemmt hatte. Natürlich hatte Warden – weil er absolut perfekt war – vorgeschlagen, ihr einen Liegestuhl von der Terrasse zu holen, aber da sie die einzige Frau am gestrigen Abend gewesen war, hatte sie beschlossen, sein Angebot abzulehnen. Wären Hope und Vera dabei gewesen, hätte sie es sicherlich angenommen, aber so beschloss sie ihrem Mann und seinen Freunden einen Männerabend zu gönnen. Schließlich würden sie in Kürze Eltern werden und dann war das wilde und unabhängige Leben, das sie führten, erst einmal für eine geraume Weile vorbei.
Lindsay widerstand der Versuchung, eine Decke über dem schlafenden Fotografen auszubreiten und die unzähligen Papierflieger, die die Männer irgendwann gebastelt haben mussten, aufzuräumen und schlich stattdessen Richtung Arbeitszimmer. Aiden würde womöglich aufwachen und dann war es mit ihrer freien Zeit vorbei. Sie hatte Warden eigentlich versprochen, weniger zu arbeiten, doch irgendwie wollte ihr das nicht gelingen. Ihr graute davor, wie es sein würde, wenn das Baby erst da wäre. Lindsay liebte das Schreiben und konnte sich ein Leben ohne nicht vorstellen. Sie machte den Computer an und setzte sich an ihren Schreibtisch. Als erstes widmete sich Lindsay ihrem Schützling. Schon vor einer geraumen Weile war sie ein Author-Wing geworden und unterstützte Autoren, die an ihrem ersten Buch arbeiteten. Das Mädchen, das sie betreute, war erst sechzehn Jahre alt. Sie besaß einen großartigen Wortschatz und einen sehr gefühlvollen Schreibstil, leider war der Story an sich anzusehen, wie jung und unerfahren ihr Schützling war. Es ging um ein 18-jähriges Mädchen, einen Zigeuner, gestohlenes Tafelsilber und einen Cop.
Natürlich war die Polizei dem Zigeuner, er war der Freund des Mädchens und ein absoluter Bad Boy, nach einem Einbruch schnell auf den Fersen und das Mädchen verliebte sich letztendlich in den Cop.
Lindsay regte ihren Schützling dazu an, die Charaktere vielschichtiger zu gestalten, denn Menschen waren nie nur gut oder böse, und mit Klischees zu brechen, ehe sie sich die Rezensionen zu Veras neustem Roman, einer süßen Novelle über einen Millionär und seine ungelebten Träume, ansah.
Mit dem Eintritt in die Top 100 gingen auch immer negative Bewertungen einher und da Lindsay wusste, wie sehr Vera ursprünglich darunter gelitten hatte, schrieb sie ihr eine PN über Facebook, als sie sah, dass es eine 1-Sterne-Rezi gab.
Veras Antwort kam umgehend: „Schon, okay 😉 Lieb, dass du fragst, aber die Rezi hat mir gestern sogar irgendwie den Tag gerettet.“
Lindsay schickte Vera als Antwort lediglich ein Fragezeichen, woraufhin Vera erklärte: „Habe mir die anderen Rezis angeschaut und gesehen, wem sie fünf Sterne für seinen Roman gegeben hat. Danach konnte ich den Kritikpunkt ‚primitive Sprache’ irgendwie nicht mehr ernst nehmen und dann war halt auch klar, dass es bloß eine Rezi war, die mich treffen und wegen der ich mich schlecht fühlen sollte.
Tja, der Schuss ging wohl nach hinten los. Selten so gelacht. Made my day!“
Lindsay gluckste belustigt und dachte daran, dass es schon so war, wie Warden immer sagte: Alles hat seinen Sinn!

 

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KW 31 | Any Swan nominiert von Nicole König

Challange
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Any Swan

Heute mit einer Geschichte von Any Swan. Nominiert wurde Any von Nicole König.

1. Malaga – 2. Cabrio – 3. Basilikum  – 4. Liebestöter  – 5. Kameraüberwachung – 6. Doppelstockbett – 7. Swimmingpool – 8. Gedächtnistraining – 9. Liebesspiel – 10. Mona Lisa – 11. Olivenbaum – 12. Garage – 13. Kacheln – 14. Moorhuhn – 15. Kreislauf

Was hatte mich nur geritten, dass ich mich auf einen Rucksacktrip quer durch Spanien eingelassen hatte? Die Landschaft fernab von den Touristenhochburgen war wunderschön, gar keine Frage. Auch das Naturschutzgebiet nahe Malaga, in dem ich mein erstes Moorhuhn zu Gesicht bekam, war eine absolute Augenweide. Doch leider hatte ich mir beim Abstieg von einem kleinen Berg den Fuß verstaucht und jeder Schritt war eine reine Qual. Allmählich merkte ich, wie die Anstrengung mir zudem auf den Kreislauf schlug.
„Ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause“, gab ich erschöpft von mir und ließ mich unter einem alten knorrigen Olivenbaum seitlich an der Straße nieder. Eigentlich war es eher ein Schotterweg und wir liefen seit einer gefühlten Ewigkeit hier entlang, ohne einem Wagen begegnet zu sein. Ich lehnte meinen Kopf gegen den Stamm und atmete tief durch.
Meine beste Freundin Melissa hockte sich vor mich hin, zog ihren Rucksack vom Rücken und gab mir daraus eine Wasserflasche, die ich dankend annahm.

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